Ruhe bewahren bei 49 Grad
Presseberichte - Münsterländische Volkszeitung
Deutschland als Leitnation für den gesamten Norden Afghanistans, unter der Führung des Regional Kommando Nord (RC North), trägt die Verantwortung über neun Provinzen. Seit 2006 lautet hier auf dem militärischen Teil des Flugplatzes der Auftrag: Luftumschlag für Passagiere und Fracht aller Bundeswehr-Transportmaschinen und Isaf-Kräfte. Darüber hinaus leisten die Heeresflieger aus Rheine vielfältige Unterstützung aus der Luft : Evakuierung Verwundeter, Transport von Versorgungsgütern und Kampftruppen. Hierbei sind Piloten und Techniker trotz der unangenehmen Hitze gefordert, genauso wie in ihrer Heimat hochkonzentriert zu arbeiten.
Verfolgt auch in Afghanistan das Geschehen zu Hause mit Hilfe der Münsterländischen Volkszeitung: Pilot Jochen R. (Fotos: Rapreger)
Den Temperaturrekord im Cockpit hatte Pilot Jochen R. einmal mit 49 Grad Celsius, ohne Klimaanlage. Instrumente erreichten da schon mal 90 Grad. Ohne Handschuhe wäre da gar nichts zu bedienen und jedes Grad mehr würde dann doppelt soviel schmerzen. Hinzu kommt der stetig feine Staub, der in der Luft liegt und immer wieder aufgewirbelt wird. Er backt sich dann als feste Sandkruste überall in kleinen Spalten des Hubschraubers fest. Darum muss die CH-53GS auch alle acht Monate in die Großinspektion. Dabei werden ca. 180 Kilo Sand, Dreck, Spinnen und sogar auch mal Skorpione „herausgeholt“.
Mit insgesamt 1000 Tagen Auslandserfahrung in Pakistan, Bosnien, Kosovo dem Kongo und letztendlich Afghanistan kann man Pilot Jochen R. so schnell nichts mehr vormachen.
Bemerkenswert war zum Beispiel auch sein Hilfseinsatz im Frühjahr 2008 in der Provinz Baghlan, der Stadt Pol-e Khomri. Dort brachte er wichtige Trinkwasser-Pipelines mit dem Hubschrauber in eine Region, gekennzeichnet von unwegsamen Gelände, nicht von Straßen erschlossen. Mehrere Dörfer haben nun endlich wieder Zugang zu frischem Trinkwasser.
Eine ganz andere Art der Herausforderung ereignete sich vor einem halben Jahr. Da hieß es „mayday-mayday“ in seinem Cockpit, ein Triebwerksausfall führte zu einer Luftnotlage. Die unverzügliche Rückkehr war geboten, dabei musste er ganze eineinhalb Tonnen Kerosin aus Sicherheitsgründen loswerden. Von „fuel-dumping“ ist dann die Rede, der Sprit muss während des Fluges abgelassen werden. Zum Glück hat die CH-53 ja zwei Triebwerke, so konnte er die Maschine noch zurückfliegen.
Ohne Außenlast wird dann immer im Tiefstflug geflogen, wegen der ständigen Beschussgefahr hält der Pilot den Hubschrauber auf einer Höhe von etwa siebeneinhalb Metern über dem Boden. Kein Betriebsausflug, sondern hochkonzentriertes Fliegen mit Splitterschutzweste und der 20 Kilo schweren Survivaltasche am Körper. Hinzu kommen auch mal bis zu zwei G körperlicher Belastung und Ausweichmanöver in starker Seitenlage.
Wenn die Planung bestehen bleibt, soll es sein letzter Aufenthalt im Isaf-Einsatz gewesen sein. Er wechselt dann für die restlichen sechs Jahre in die Technik, um Werkstatt- als auch Nachprüfflüge zu absolvieren. Sehr zur Freude seiner Familie, für die er nun endlich wieder mehr Zeit haben wird. Und die lokale Tageszeitung wird dann auch wieder sein aktueller Begleiter sein...
| < Zurück | Weiter > |
|---|
