Heeresflieger üben für Auslandseinsatz

Presseberichte - Münsterländische Volkszeitung

 

Der Oberfeldwebel erkennt den Ernst der Lage, schickt weitere Soldaten zur Verstärkung nach vorn. Die bilden eine so genannte „Postenkette“. Das Gewehr vor der Brust, rücken sie langsam vor, drängen den Mob zurück, weg vom Eingang des mit S-Draht und Sandsäcken abgesicherten Feldlagers. Die Lage entspannt sich wieder, nach und nach ziehen die Demonstranten ab.

Das Szenario, das für die Bundeswehr im Auslandseinsatz fast schon zum Alltag gehört, ist heute zum Glück nur eine Übung. Soldaten des mittleren Transporthubschrauberregimentes 15 absolvieren ihre „Einsatzorientierte Aufbau- und Verwendungsausbildung“ (EAV). In der Bentlager Theodor-Blank-Kaserne gibt es speziell dafür seit wenigen Tagen ein nachgebautes Feldlager. Hier schult das Regiment seine Soldaten für Einsätze im Rahmen der Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, insbesondere die Sicherung von Anlagen und Objekten.

22612b46„Das war gerade schon eine brenzlige Situation“, bestätigt Hauptmann Christian Steppart. Er ist Staffelkapitän der Stabsstaffel und weiß, wovon er spricht. Insgesamt drei Mal war er bereits im Ausland, kennt die soeben geübten Situationen aus der Realität. Aus einer solchen Menge könne schnell eine Waffe gezogen werden. Insgesamt ist Steppart zufrieden mit der Reaktion seiner Soldaten. Kleiner Kritikpunkt: Die Kameraden haben den Rädelsführer des Aufruhrs nicht aus der Menge heraus geholt. Aber dafür gibt es ja die EAV, um solche Fehler im Einsatz zu vermeiden.

Vor etwa vier Wochen hat das Regiment damit begonnen, das „Feldlager“ zu errichten – oder besser die Zufahrt dazu. Denn für ein komplettes Lager, so wie es etwa in Afghanistan aussieht, reicht der Platz natürlich nicht aus. Der Checkpoint ist fest in der Kaserne installiert. Alle Zeitsoldaten und freiwillig längerdienende Wehrpflichtige werden hier ausgebildet.

229ef7d7Währenddessen tauchen am Eingang zwei Männer auf. Die Soldaten am Checkpoint kontrollieren wie vorgeschrieben die Papiere. Derweil beschimpfen die beiden Männer die Bundeswehr. Die zwei Soldaten lassen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Routiniert weisen sie die beiden Störer zurück. „Oft ist bei den Einheimischen viel Frust im Spiel – und der entlädt sich dann“, sagt Steppart. Da gelte es dann, besonnen zu reagieren. Wie schwierig das ist, weiß der Offizier genau. „Wenn man wirklich im Einsatz ist, ist das purer Stress.“

Stabsunteroffizier Markus Pradella ist gerade von einem Einsatz in Mazar-i-Sharif zurück. „Eine solche einsatznahe Ausbildung wie hier ist enorm wichtig“, weiß Pradella. Die Angst sitze den Soldaten am Hindukusch zwar schon etwas im Nacken – gerade nach dem jüngsten Selbstmordanschlag, bei dem zwei deutsche Fallschirmjäger fielen. „Wir sind aber gut vorbereitet“, meint der Unteroffizier.

Das meint auch Stabsunteroffizier Heike Thesen. „Man wird immer sicherer dabei“, sagt sie. Unterdessen stoppt sie einen VW Bulli. Die Insassen begegeben sich zur Passkontrolle, die Soldatin greift nach einem an einer Stange befestigten Spiegel, untersucht den Unterboden des Autos.

Richtig reagiert: Sie entdeckt dort eine gut versteckte Bombenattrappe. In Afghanistan hätte sie durch die Entscheidung möglicherweise vielen Kameraden das Leben gerettet