Den Heeresfliegern drohen Einschnitte

Presseberichte - andere Zeitungen

Der Bund muss sparen und will das auch bei den Streitkräften tun. Um bis zu 100 000 Soldaten soll die Truppenstärke in den nächsten Jahren reduziert werden. Experten sprechen vom radikalsten Umbruch in der Geschichte der Bundeswehr. Das seien nicht mehr nur Verwerfungen, sondern Kontinentalplattenverschiebungen, urteilt ein General.

Was bedeutet das für Laupheim? „Die angekündigten Sparmaßnahmen werden auch bei den Heeresfliegern zu Einschnitten bei Personal und Material führen“, sagt der Regimentskommandeur Hans-Christoph Specht. Ob das den Standort (1600 Soldaten, 200 Zivilangestellte) gefährden kann, lasse sich derzeit nicht absehen. Der Verteidigungsminister wolle zunächst bis zum Herbst über die künftige Struktur der Bundeswehr entscheiden -- „daran hängen dann die Standortfragen“. Antworten soll es im Frühjahr 2011 geben. Eines, so Specht, sei freilich schon jetzt gewiss: „Noch nie war der Sparzwang so groß.“

Derweil macht in der Kiesinger-Kaserne die Nachricht die Runde, dass es konkrete Überlegungen gebe, die Zahl der CH-53-Transporthubschrauber beim Heer schrittweise von rund 100 über 80 auf 66 zu verringern. Rechne man davon die Maschinen für die Heeresflieger-Waffenschule sowie die im Einsatz und in der industriellen Instandsetzung befindlichen Maschinen ab, so würden bei den Regimentern Laupheim und Rheine jeweils 20 verbleiben. „Dafür braucht man nicht zwingend zwei Standorte“, sagt ein Offizier.

Offen, so heißt es, sei der Zeitpunkt für die Verkleinerung der Flotte. Nach Informationen der Schwäbischen Zeitung drängt die Heeresfliegerführung darauf, zu warten, bis die geplante elektronische Modernisierung der CH-53 abgeschlossen ist. Auch die Gesamtzahl der Verbindungshubschrauber BO-105 soll verkleinert werden. In Laupheim sind aktuell zehn Maschinen dieses Typs stationiert. Gemunkelt wird ferner, dass die CH-53-Verbände künftig der Luftwaffe unterstellt werden.

Eine andere Überlegung zielt darauf, die Instandsetzung der Hubschrauber deutschlandweit zu zentralisieren. Das könnte betriebswirtschaftlich Sinn machen, den hiesigen Verband aber gut und gern 300 Soldaten kosten.

Kein Geld für Ersatzteile

Scheinbar unberührt von alldem lädt das Verteidigungsministerium in die Kiesinger-Kaserne ein. Am 27. Juli soll ein Bauschild enthüllt werden für den weiteren Ausbau des Heeresflugplatzes. Fast 13 Millionen Euro sollen in ein neues Wirtschaftsgebäude fließen und 3,9 Millionen in eine Halle zur Lagerung von Rettungs- und Sicherungsgerät. Für rund 5 Millionen wurden zuletzt zusätzliche Rollwege und Abstellflächen für die Hubschrauber geschaffen, weitere millionenschwere Investitionen sind angekündigt.

Altgediente Soldaten sind dennoch besorgt um den langfristigen Erhalt des Standorts. Sie sagen: Wenn der Sparzwang der Regierung sich weiter verschärft, könnte das Überlegungen Auftrieb geben, sich auf Flugplätze wie Niederstetten oder Fritzlar zu konzentrieren, in die bereits massiv investiert wurde und die deshalb moderner ausgestattet sind als Laupheim.

Dass der Bund klamm ist, zeigt den Heeresfliegern nicht zuletzt ein kürzlich verordneter „Beauftragungsstopp“ für den Kauf von Ersatzteilen. Ist ein Teil nicht vorrätig, hilft nur der Griff in einen anderen Hubschrauber. In Rheine stehen deshalb bereits vier CH-53 still.

(Erschienen: 13.07.2010 21:30)